CDU Bliesen



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Die Gründungsgeschichte des Ortsverbandes CDU Bliesen

Das Saarland war nach dem 2. Weltkrieg französisch

Nach dem Zweiten Weltkrieg beabsichtigte Frankreich ursprünglich, das gesamte linksrheinische Gebiet von Deutschland abzuspalten. Diese Pläne wurden jedoch auf den Außenministerkonferenzen der Alliierten abgelehnt. Um es sich bei den Franzosen nicht zu verscherzen, gaben die Amerikaner jedoch ihre Zustimmung für eine Abtrennung des Saarlandes, dessen Gebiet gegenüber 1920 im Nordwesten etwas vergrößert wurde. Am 16. Februar 1946 wurde das Saarland der Zuständigkeit des alliierten Kontrollrates entzogen, und noch am Ende desselben Jahres errichtete man eine Zollgrenze zum restlichen Deutschland. Kurze Zeit später wurde das Land zu einem französischen Protektorat mit einer eigenen Regierung. 1948 erhielten alle Saarländer eine eigene Staatsbürgerschaft -> „Sarrois“. Die von Frankreich eingesetzte Regierung, vorwiegend bestehend aus Emigranten und von den Nationalsozialisten Verfolgten, sorgte dafür, dass die Entnazifizierung im Saarland nachhaltiger durchgeführt wurde als in irgendeinem anderen Teil Deutschlands, die sowjetische Besatzungszone eingeschlossen.

Widerwille gegen die Regierung in den 1950er Jahren

Nach anfänglicher Zustimmung der Bevölkerung zu dem neuen Status stieg der Widerwille gegen die Regierung in den 1950er Jahren an. Die politischen Gegenparteien sprachen sich gegen eine engere Bindung an Frankreich aus und sahen sich zunehmenden Repressalien ausgesetzt – das Grundrecht auf Meinungsfreiheit wurde eingeschränkt. Am 23. Oktober 1955 wurde schließlich eine Volksabstimmung über die Zukunft des Landes durchgeführt, wobei sich die Saarländer gegen das Saarstatut entschieden. Das Saarstatut war die Vision des saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (Christlichdemokratische Volkspartei CVP), der das Saarland zum ersten europäischen Territorium machen wollte. Die Planung ganzer Stadtteile in und um Saarbrücken, die die heute in Brüssel, Luxemburg und Straßburg befindlichen europäischen Institutionen aufnehmen sollten, war bereits angelaufen. Am 27. Oktober 1957 wurde in Luxemburg der Saarvertrag abgeschlossen, worauf das Gebiet 1957 als zehntes Land (ohne Berlin) zur Bundesrepublik Deutschland kam. Eine teilweise wirtschaftliche Abhängigkeit zu Frankreich blieb vorerst noch bestehen bis zum 6. Juli 1959, dem Tag X, als im Saarland die D - Mark zum Kurs von 100 Francs = 0,8507 DM eingeführt wurde.

Leo Gottesleben unn die Kerb

1945 und in den Folgejahren kehrten viele Bliesener Männer aber auch Frauen aus dem Krieg bzw. der Gefangenschaft zurück in ihr Dorf. Der Krieg hatte in Bliesen seine Spuren hinterlassen. Auch in unserem Dorf musste wieder der Einstieg in die Normalität gefunden werden. Viele stellten sich in Anbetracht der Lage die Frage wie es weiter gehen soll, wie ernähre ich meine Familie, wo finde ich Arbeit. Fortbewegungsmittel gab es in diesen schwierigen Zeiten kaum und das Leben spielte sich innerhalb der Gemeinde ab. Alle Bürgerinnen und Bürger mussten sich mit den bereits beschriebenen Rahmenbedingungen abfinden. Als Herr Leo Gottesleben, der nach Kriegsende aus dem Schuldienst entlassen worden war, nach Bliesen zurückkehrte, änderte sich einiges. Leo Gottesleben ist heute noch vielen Bliesenern ein Begriff, denn er vertrat 16 Jahre lang als Bundestagsabgeordneter die Interessen unserer Heimat. Er war es auch, der im Jahr 1950 die erste Bliesener „Kerb“ organisierte und hierzu das allen bekannte „Bliesener Walzerlied“ textete und komponierte (Text siehe unten auf der Seite).

Gründung des Ortsverbandes CDU Bliesen

Wann entschloss man sich in Bliesen zur Gründung der CDU, verfolgte doch die bestehende CVP durchaus ähnliche Ziele und mit welchen Schwierigkeiten hatte sich die Saar-CDU grundsätzlich auseinanderzusetzen?

Die damalige Hoffmann-Regierung (CVP) vertrat natürlich christliche Werte. Unter seiner Regierung bezogen die Familien Kindergeld und es wurde fast keine Lohnsteuer bezahlt. Viele Saarländer waren jedoch gegen die Pläne der Regierung, das Saargebiet politisch und wirtschaftlich an Frankreich anzubinden. Zudem sahen sich viele Menschen durch die französische Besatzungsmacht eingeschränkt. Man machte sich zudem im ganzen Saargebiet Gedanken darüber, welchem Vaterland man eigentlich angehöre. Vom Gefühl her empfanden sich viele als Deutsche. Im Grunde genommen wollten alle das Gleiche, was die Franzosen auch hatten, eine Nation. Etwas Halbes, sprich „Saarfranzose“ zu sein, wie man die Saarländer damals nannte, wollten nur wenige sein. Trafen Menschen aus dem Saargebiet mit Leuten aus der Bundesrepublik zusammen, wunderten sich diese, dass die „Saarfranzosen“ sehr wohl deutsch sprachen.

Was passierte in den Jahren vor Gründung der Bliesener CDU?

Man befand sich damals in einer ähnlichen Situation wie im Jahr 1935. Dieser Umstand erschwerte die Sache, denn wegen der schlimmen Erfahrungen nach der Abstimmung 1935 war es schwierig, Widerstand gegen die Pläne der Regierung zu leisten, zumal viele „Saargebietler“ wegen ihrer kritischen Äußerungen von der Ausweisung bedroht waren. Zudem wurden immer wieder Stimmen laut, die erklärten: „Wir haben doch eine christliche Partei, warum dann noch eine!“ Erste Kontakte wurden durch Herrn Leo Gottesleben geknüpft der 1952, in der so genannten Verbotszeit, einer der 50 Gründer der CDU war. Seine politischen Anweisungen erhielt er vermutlich aus St. Wendel. Einige Bliesener Bürger waren also bereits vor Gründung der Bliesener CDU deren Interessenvertreter, ohne deren Mitglied zu sein. Diese hatten anfänglich auch nicht die Absicht, in eine Partei einzutreten, denn in dieser schwierigen Zeit durfte man den Menschen in Gemeinde und Land nicht mit einer „Partei“ kommen. Trotzdem wurden geheime Treffen besucht, die bei ausgesuchten Leuten, meist Geistlichen, stattfanden. Bekannt ist, dass eines dieser Treffen bei Herrn Pastor Peter Deschang in Alsfassen, St. Anna, durchgeführt wurde.

Treffen unter Gefahr

Die Zusammenkünfte waren für alle Teilnehmer sehr gefährlich, denn die Polizei sollte diese verhindern bzw. die Teilnehmer namhaft machen. Gelang dies in Einzelfällen, wurden die „Delinquenten“ von Herrn Rechtsanwalt Strauß aus St. Wendel juristisch vertreten. Bei einem weiteren geheimen Treffen, das bei Herrn Pfarrer Ernst Seynsche stattfand, als die Gründung der CDU schon greifbar nahe war, wurde einer der Gäste als Herr Dr. Manfred Schäfer vorgestellt, zum damaligen Zeitpunkt Landesgeschäftsführer der (illegalen) CDU im Saarland, später saarländischer Wirtschaftsminister. Vermutlich ging die Initiative zur Gründung der Bliesener CDU von Herrn Leo Gottesleben aus. Unter dessen Leitung wurden Flugblätter entworfen und verteilt. Trotz der Verbotszeit nahm die in Gründung befindliche CDU Bliesen, speziell durch solche Aktivitäten, langsam Form an. Aber immer noch waren die Männer der ersten Stunde im Grunde genommen Einzelkämpfer, die schließlich einen provisorischen Vorstand bildeten, der zur Gründungsversammlung am 30.07.1955 eingeladen hat. Es gelang, den Eisenbahner Bernhard Werle für die Sache der CDU Bliesen zu gewinnen. Er leitete die Gründungsversammlung, und war später, von 1960 bis 1964, auch Bürgermeister der Gemeinde Bliesen.

Am 30. Juli 1955 waren ca. 50 Bliesener Bürger beim „Schwarz“ im Saal (heute Dalmacija Grill, Flächenbachstr. 41). Die Versammlung wurde von „Externen“ begleitet, von Herrn Willi Angel und „dem Gessner“, die als politische Fachleute fungierten. Da Bliesen damals ein rein katholisches Dorf war, hatte die Haltung des Bischofs ein großes Gewicht. Herr Angel und Herr Gessner verlasen vorab dessen Grußwort, erst dann wurde gewählt. Herr Bernhard Werle wurde 1. Vorsitzender.

Am 2. August 1955 wurden 220 Ortsgruppen ins Leben gerufen.

Was geschah unmittelbar nach der Gründung der Bliesener CDU?

Nachdem 67,7% der Saarländer das Saar-Statut bei der von der WEU-Kommission überwachten Abstimmung vom 23. Oktober 1955 ablehnten, trat die Regierung Hoffmann (CVP) zurück. Der vorangegangene Abstimmungskampf verlief sehr leidenschaftlich. Es kam zu nationalistischen Überspitzungen - vor allem von Seiten der Demokratische Partei Saar (DPS).

In Bliesen standen unmittelbar danach Gemeinderatswahlen statt. Aufgrund der beschriebenen Ereignisse um die Abstimmung über dass Saar-Statut wollten offenbar alle „superdemokratisch“ sein, denn man wählte mit so genannten Streichlisten. Die namentlichen Vorschlaglisten der politischen Akteure in Bliesen wurden auf diese Streichlisten übernommen. Die Gemeinderatswahl endete damit, dass nur Herr Johann Müller, der aus einem alteingesessenen Bliesener Gasthaus stammte, nicht ein einziges Mal gestrichen wurde und zum ersten Nachkriegsbürgermeister gewählt wurde.


Blieser Walzerlied  (Blieser_Walzerlied.pdf)

1) In Bliesen ist mal wieder ´ne große Festlichkeit. Drum singn wir frohe Lieder und künden frohe Zeit.
Nun lasst die Alltagssorgen, die euch oft sehr bedrohn – und wartet nicht bis morgen ich kenn ein Mittel schon.

Refrain:
Wir Blieser wollen lustig sein und schenken hurtig ein.
Drum gehn so schnell wir nicht nach Haus - drum prost, stoßt an, trinkt aus!
Drum gehn so schnell wir nicht nach Haus - drum prost, stoßt an, trinkt aus!

2) Dort wo durch saftge Wiesen die Blies nimmt ihren Lauf. Wo Wald und Feld umschließen ein Dörflein schlicht und traut.
Wo Gottes Burg erhaben ragt in das weite Rund - ich will mit Stolz es sagen - ist meiner Heimat Grund.

Refrain....

3) Der Heimat gilt die Treue, wo immer wir auch stehn! Dies künden stets aufs Neue, bis wir dereinst vergehn.
Wir wollen niemals klagen und haben frohen Mut. Wir wollen nicht verzagen, dann geht’s uns immer gut.

Refrain....

4) Weilst du einst in der Ferne und bist da ganz allein und möchtest ach so gerne in deiner Heimat sein.
Und kommt in schweren Tagen mal Leid und Schmerz zu dir, dann darfst du nicht verzagen, hör einen Rat von mir:

Refrain..

 


 

Die Geschichte des Landesverbandes CDU-Saar

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